kulturnews mit modernem Konzept

 

Das im Hamburger bunkverlag erscheinende Kulturmagazin „kulturnews“ erweitert deutlich seine Umfänge und setzt ein Zeichen gegen den Negativtrend der Resignation vor dem Internet. Chefredakteurin Dr. Jutta Rossellit im Gespräch mit new business.

nb: Eine überraschende Information des bunkverlages – alle investieren in mobile Medien, sie setzen stattdessen auf Print. Was haben Sie vor?

Wir investieren natürlich auch ins Netz, 3 neue Plattformen launchen in den nächsten Wochen. Wir vergessen aber dabei die wichtige Plattform Print nicht. Deshalb haben wir für Print im neuen Medienkontext die neuen Anforderungen definiert und neue Lösungen gesucht und wie ich finde auch gefunden.

Wird das nicht Ihren Internetauftritt kulturnews.de tangieren?

Nein, wir entwickeln für jede Plattform eigene unabhängige Kommunikationsangebote.

Das Risiko ist Ihnen nicht zu hoch? Gerade hat Ihr Mitbewerber Kulturspiegel den Rückzug eingeläutet, Sie aber gehen aktiv das Problem der veränderten Lesegewohnheiten an.

Wir gehen kein Risiko, wenn wir Print den geänderten Kommunikationsbedürfnissen anpassen. Wenn wir die Medienentwicklung der letzten 100 Jahre betrachten, dann gab es schon immer die Weltuntergangsprediger. Ginge es nach denen, gäbe es mit dem Aufkommen der Tageszeitungen keine Journale, mit dem Aufkommen des Radios keine Tageszeitungen, mit dem Aufkommen des Fernsehens kein Radio; tatsächlich ist es doch so, daß in der Regel neuen Medien  alles zugetraut werden kann, da alles denkbar scheint. In der Realität ist es dann doch so, daß sich die „alten“ und die neuen Medien gegenseitig zuordnen müssen. Das ist das ganze Geheimnis, wie „alte“ Medien jung bleiben, und junge Medien erwachsen werden können. Und diesen Job versuchen wir gerade in unserer Redaktion und Grafik für unseren „Klassiker“ kulturnews gut zu erledigen.

Der Zeitpunkt Ihres Updates lässt darauf schließen, dass Sie damit rechnen, dass durch den Spiegel-Schritt Marktvolumen frei wird, welches Sie nutzen möchten?

Die Veränderungen beim Kulturspiegel haben uns slbst überrascht, insofern sind unsere Weiterentwicklungen keine direkte Reaktion auf das nahe mediale Umfeld. Nein, kulturnews hat es schon viele Jahre vor dem Kulturspiegel gegeben, das Nebeneinander in bestimmten Märkten war für uns nicht spürbar. Wir werden uns aber natürlich bemühen, sollte sich jemand der bisherigen Kunden heimatlos fühlen, ihm diese mit unseren kulturnews zu bieten. Übrigens, ganz unerfahren sind wir ja damit nicht., Kunden ehemaliger Mitstreiter ein geeignetes mediales Umfeld zu bieten: denken Sie ans Wom-Journal, an den Prinz und andere Stadtmagazine.

Kann man sagen, dass kostenlose Magazine, sogenannte Freemags, ähnlich funktionieren wie das Internet mit seinen kostenlosen Angeboten?

Die Vertriebsform ist sicherlich eine nicht zu unterschätzende Größe. kulturnews wurde im selben Jahr wie Prinz gegründet. Neben unserer immer weiter entwickelten journalistischen Qualität im Bereich Kultur ist sicherlich die Vertriebsform aktueller, heutiger denn je. D.h. also nicht nur die journalistische Qualität muß die Kontexte der anderen und besonders der neuen Medien berücksichtigen, nein, alle Bereiche die die Kommunikation mit unseren Lesern betreffen müssen wir dem Heute anpassen. Und Bezahlschranken gibt es bei uns nicht im Internet und auch nicht im Print. In gewissem Sinn lösen wir medial eine alte Forderung des früheren sehr angesehenen Frankfurter Kulturdezerneten ein: Kultur für alle.

Mit der Erweiterung um News aus den Bereichen Style, Mobility und Technik wollen Sie vermutlich neue Anzeigenmärkte erschließen?

In erster Linie möchten wir die urbanen Lebensräume thematisieren. Das sind natürlich auch Themenbereiche in denen Firmen unterwegs sind, die wie wir die Zukunft im Blick haben, und sie mitgestalten wollen.

Planen Sie wegen des neuen Umfangs auch personelle Veränderungen?

Wir können die Zukunft nur so gut mitgestalten, wie wir personell aufgestellt sind. Deshalb verstärken wir uns personell ab September mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen.

Wird es begleitende Marketingmaßnahmen geben?

Die beste Marketingmaßnahme ist unser frei erhältliches Produkt. Deshalb haben wir in Papier- und Umschlagqualität investiert und werden in den nächsten Monaten eine bundesweite Directmarketing-Offensive starten.

NEW BUSINESS 9/2015

Heinz Kirchner